Karriereaufzug: die ReDi School of Digital Integration

Businessplan, Elevator Pitch, Skalierbarkeit, Venture-Capital – Begriffe wie diese gehören für viele Berliner längst zum Alltag. Über 620 Start-ups machen Berlin zum Gründerzentrum Europas. Die ReDi School of Digital Integration bringt Geflüchtete mit der Tech-Branche zusammen.

Zum einen lockt das Geld: Mit jährlichen Investments von über zwei Milliarden Euro hat Berlin bereits im Jahr 2015 London den Rang abgelaufen. Zum anderen lockt die besondere Berliner Freiheit: Gründer aus aller Welt zieht es in die deutsche Hauptstadt, denn die Metropole bietet ihnen optimale Bedingungen. In Berlin leben viele hochqualifizierte Menschen und Immobilien in allen Lagen sind nach wie vor erschwinglich. Die Wissenschafts- und Forschungslandschaft der Stadt genießt einen hervorragenden Ruf. Und Berlin vereint Qualität und Produktivität bei vergleichsweise niedrigen Kosten. Gute Ideen können hier mit geringen Mitteln Fahrt aufnehmen.

Aus Krisen Chancen wachsen lassen

Eine der vielen guten Ideen, die in der Stadt gewachsen sind, ist die ReDi School of Digital Integration. Ein Non-Profit-Start-up, das Krise als Chance und Integration nicht als Problem, sondern als Philosophie begreift. Die ReDi School in Berlin-Mitte beweist seit ihrer Gründung im Februar 2016, dass Herausforderung nur eine Frage der Perspektive ist. Eine Million Geflüchtete aufzunehmen, das ist für ein Land wie Deutschland zwar eine enorme politische und soziale Aufgabe, zugleich aber auch eine immense Bereicherung. Zum Beispiel für die IT-Branche, die europaweit nach qualifizierten Fachkräften für über 750.000 freie Stellen sucht.

Die ReDI School vernetzt die neuen Berliner mit der hiesigen Start-up- und Tech-Community. Ein Konzept, das sogar Facebook-CEO Mark Zuckerberg im Februar 2016 bei seinem Berlin-Besuch neugierig machte. „Die Chance, Studenten aus Syrien zu treffen, war einer der Höhepunkte meiner Deutschlandreise. Ihr Mut und ihre Entschlossenheit haben mir sehr imponiert“, sagte Zuckerberg nach seiner Stippvisite.

Der besondere Berliner Gemeinschaftssinn

Interessanterweise war Facebook Geburtshelfer der ReDI School, wie Mitbegründerin Anne Kjaer Riechert erzählt:  „Ich habe meine Idee damals bei Facebook gepostet – und unzählige Leute haben geantwortet, dass sie mithelfen wollten. Das war mein Berliner Start-up-Moment. Diesen ’community spirit’, zusammen etwas zu machen, das mag ich an Berlin.“

Heute lernen Geflüchtete an der ReDI School in mehrmonatigen Kursen das Programmieren. Sie arbeiten dabei direkt mit der Berliner Tech-Branche zusammen. Das ist digitale Integration mit großem Erfolg: Fast die Hälfte der ReDI-School-Absolventen arbeitet bereits in bezahlten Praktika oder hat Festanstellungen bei Berliner Start-ups und Technologieunternehmen. 20 Prozent der Schüler besuchen inzwischen eine Universität, jeder zehnte Absolvent hat sogar selbst ein Start-up gegründet.

Die ReDI School als Start-up-Geburtshelfer

So entstanden junge Unternehmen wie „Let’s integrate“: eine App, die Neuberliner mit Ansässigen zusammenbringt. „Bureaucrazy“ vereinfacht bürokratische Prozesse für Bürger und Verwaltung. Und der Cateringdienstleister „Jasmin“ ermöglicht es geflüchteten Frauen, die weder lesen noch schreiben können, ihren Lebensunterhalt mit Kochen zu verdienen. Sämtlichen dieser Start-ups verhalf die ReDI School zum Launch.

Die ReDI School hat mich motiviert, wieder auf die Füße zu kommen, hier einen Neustart zu wagen. (Gaith Zamrik, Absolvent der ReDi School)

„Es ist gar nicht nur das Coden, das man in der ReDI School lernt. Auch die Atmosphäre ist wichtig. Nach meiner Ankunft in Berlin fühlte ich mich leer, verloren und planlos. Die ReDI School hat mich motiviert, wieder auf die Füße zu kommen, hier einen Neustart zu wagen“, resümiert Gaith Zamrik, ReDI-Alumni und Mitgründer von „Bureaucrazy“. Die Idee zu seinem Unterehmen weckte sogar Angela Merkels Neugier, als sie im April 2017 die ReDI School besuchte. Es sei besonders wichtig, dass die Menschen nach ihrer Ankunft in Deutschland schnell die Chance bekämen, „ihre Fähigkeiten anzuwenden und auszubauen“, so die Bundeskanzlerin.

Berlin gibt guten Ideen Raum

Mittlerweile haben mehr als 200 Geflüchtete Coding-Kurse oder Programmier-Workshops in der ReDI School absolviert. Bereits viermal musste sich das Start-up wegen seines rasanten Wachstums nach größeren Räumen umsehen. Man fand sie, weil Berlin diese Freiräume noch bietet. Und weil die Community, die rund um das Start-up gewachsen ist, selbstverständlich mit anpackt, wenn es eng wird.

„Ich glaube, es gibt so viele Chancen in Berlin, weil es günstig ist. Deshalb kommen junge Leute mit neuen Ideen her. Man hat hier ein bisschen mehr Zeit als in anderen Großstädten und dennoch die gleichen Möglichkeiten. Das macht einen großen Unterschied“, beschreibt Anne Kjaer Riechert die Vorteile Berlins für Start-ups.

Die ReDI School of Digital Integration ist eines der vielen erfolgreichen Beispiele aus der hiesigen Gründerszene, die Berlin in der Branche den Spitznamen des „menschlicheren Silicon Valleys“ eingebracht haben.

20 Prozent der Schüler besuchen heute eine Universität, jeder zehnte Absolvent hat sogar selbst Start-ups gegründet.

Fotos ©ReDi School

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