"All für alle!" – Wissenschaft in Berlin

Berlin will's wissen – und zwar alles. Als einer der vielfältigsten Wissenschaftsstandorte Europas bietet die Hauptstadt Forschern viel Raum für neue Ideen und lässt Unternehmen sogar nach den Sternen greifen. Oder nach dem Mond. Die PTScientists machen's vor.

Innovation braucht Freiheit – und diese Freiheit genießen Wissenschaftler in Berlin mit optimalen Forschungsbedingungen, einer hervorragenden Infrastruktur sowie durch die enge Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft. 80 Prozent aller Berliner Hochschullehrer kooperieren mit Wirtschaftsunternehmen. Diese Nähe ermöglicht echten, profitablen Wissenstransfer und ist ein entscheidender Standortfaktor, der innovationsfreudige Unternehmen nach Berlin lockt.

Nach den Sternen greifen

Unternehmen wie die PTScientists: „Space belongs to everyone“, lautet das Credo des Berliner Unternehmens mit Sitz in Marzahn-Hellersdorf. Das All gehört allen. „Wir wollen von Berlin zum Mond fliegen“, sagt Karsten Becker, Head of Electronics bei PTScientists, die sich einer neuen Raumfahrt verschrieben haben. „Wir wollen die Raumfahrt revolutionieren, auch kleineren Universitäten oder Unternehmen mit geringeren Budgets die Chance geben, ins All vorzudringen.“ Auf den T-Shirts der Mitarbeiter prangt der Slogan „Hell yeah, it's rocket science“. Was zunächst wie eine studentische Schnapsidee klingt, ist jedoch schon weit gediehen: Mit starken Wirtschaftspartnern ist der Mond für die PTScientists inzwischen in greifbare Nähe gerückt.

 

 

Auch dafür ist Berlin bekannt: Hier darf die Idee größer sein als das Budget. Berlin erlaubt Visionen.

Erfolgsgeschichten wie die der PTScientists sind in Berlin nicht ungewöhnlich. Mehr als 180.000 Menschen lernen in der Metropole an vier Universitäten, vier Kunsthochschulen, sieben Fachhochschulen und über 30 staatlich anerkannten privaten Hochschulen – darunter rund 33.000 Studierende aus dem Ausland. Hinzu kommen 22 innerstädtische Technologieparks und Gründerzentren, 70 außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sowie 18.000 Wissenschaftler und 11.000 hochqualifizierte Arbeitskräfte, die in der Berliner Forschung und Entwicklung tätig sind. Zahlen, die die Hauptstadt zu einem der größten und vielfältigsten Wissenschaftszentren Europas machen.

Abgesehen von unzähligen Start-ups, die Berlin als Standort wählen, bringt allein die Technische Universität jährlich rund 20 innovative Unternehmen hervor. Mit zwei weiteren Exzellenz-Universitäten – der Humboldt-Universität und der Freien Universität – bietet Berlin nicht nur eines der vielfältigsten Forschungsspektren Europas, sondern auch die notwendige Expertise und hochqualifizierte Nachwuchswissenschaftler, die heute nicht mehr in den Elfenbeintürmen der eigenen Institute verharren.

Viele Perspektiven weiten den Blick

Wer Zukunft gestalten will, muss in einer immer komplexer werdenden Welt über die Grenzen des eigenen Fachbereichs hinaus denken. In der Berliner Forschung ist dies längst Alltag. „Die unterschiedlichen Richtungen, aus denen wir kommen, sind ein wichtiger Grund dafür, dass unser Team so gut funktioniert", so Christian Feichtinger, Head of Software Development bei PTScientists. Wir sind eben nicht nur Fachspezialisten. Wir gehen anders an die Dinge heran, als Wissenschaftler, die sich seit Jahrzehnten mit dem gleichen Thema beschäftigen.“

Auch sein Kollege Karsten Becker kam eher zufällig zur Raumfahrt: „Als wir anfingen, waren wir Informatiker, Wissenschaftler oder Leute, die im Baumarkt gearbeitet haben. Wir sind ein sehr diverses Team mit einer Idee. Wir haben einfach gesagt: Wir machen das jetzt mal. Und dann können alle anderen schauen, wie es geht.“ Auch dafür ist Berlin bekannt: Hier darf die Idee größer sein als das Budget. Berlin erlaubt Visionen.

 

Gestern Teilzeitforscher, heute Mondmission

Das „PT“ im Firmennamen verrät viel über die Anfänge des Unternehmens, stand es doch zunächst für „Part-Time Scientists“ – Teilzeitwissenschaftler. „Das Ganze hat begonnen, als Robert (Robert Boehme, Gründer der PTScientists, Anm. der Redaktion) von einem Wettbewerb erfuhr. Private Unternehmen wurden herausgefordert, ein Fahrzeug zum Mond zu senden. Robert hat Freunde eingeladen und zusammen haben sie festgestellt: Ja, das kann man machen. So sind die Part-Time Scientists entstanden“, erläutert Karsten Becker. Der Wettbewerb, Google Lunar XPRIZE, stellte Preisgelder in Höhe von 30 Millionen Dollar in Aussicht.

Inzwischen sind die PTScientists aus dem Wettbewerb ausgestiegen, die Idee aber ist bis heute ihr Antrieb. Zehn Jahre später ist aus dem leidenschaftlichen Projekt ein Raumfahrtunternehmen geworden, das 70 kluge Köpfe versammelt, darunter Mathematiker, Physiker, „Space Geeks“ und andere Experten – „a new space company“.

Und wohin geht die Reise noch? Am 21. Juli 1969 landete Apollo 11 auf dem Mond – ein Meilenstein in der Geschichte der Raumfahrt und ein großer Schritt für die Menschheit. Sechs Mondlandungen später, im Jahr 1975, hinterließ Gene Cernan, Besatzungsmitglied der Apollo 17, die vorerst letzte Spur auf dem Mond. Bis heute hat es keine privatfinanzierte Mission auf den Mond geschafft und die PTScientists sind fest entschlossen, das „Space Race“ für sich zu entscheiden. Mit ihrem Raumfahrzeug ALINA wollen sie im Tal Taurus-Littrow auf der Mondoberfläche landen, an exakt der gleichen Stelle wie die Apollo 17.

Wir wollen die Raumfahrt revolutionieren, auch Universitäten oder kleineren Unternehmen die Chance geben, ins All vorzudringen. (Karsten Becker, Head of Electronics, PTScientists)

ALINA, das Raumfahrzeug der PTScientists, ist in der Lage, 100 Kilogramm Ladung über 384.000 Kilometer bis auf den Mond zu befördern. Genug Frachtkapazität, um bei der ersten „Mission to the Moon“ der PTScientists zwei Rover vom Typen „Lunar Quattro“ an Bord zu nehmen. Die Allrad-Rover mit kippbaren Solarpanels, aufladbaren Batterien und hochauflösenden Kameras haben die PTScientists gemeinsam mit Audi entwickelt. Sie wiegen nur 30 Kilogramm und können bei ihren Erkundungsfahrten auf der Mondoberfläche mit Joysticks von der Erde aus gesteuert werden. Das Steuersignal benötigt von der Erde zum Mond und zurück übrigens nur drei Sekunden. 

Mit ihrer „Mission to the Moon“ verfolgen die PTScientists vor allem ein Ziel: Sie wollen neue und vergleichsweise günstigere Wege aufzeigen, den Weltraum zu erforschen und zu entdecken. Der Countdown läuft, mit Visionen und Ideen „made in Berlin“.

Fotos ©PTScientists

 

 

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