Weltrekord: Wird Berlin Hauptstadt des Kuschelns?

Kuscheln kann jeder. Und es mag jeder. Denn Kuscheln bringt Menschen einander näher – auch wenn sie nicht die gleiche Sprache sprechen. Mit einer ungewöhnlichen Aktion setzen Tabea und Jeremias Wolf in Berlin ein Zeichen für Integration und ein liebevolles Miteinander: Am 17. Februar starten sie den Versuch zu einem nationenübergreifenden Weltrekord im Kuscheln.  

„Kuscheln ist eine Körpersprache, die überall auf der Welt verstanden wird“, sagt Jeremias Wolf und schaut dabei verträumt in die Luft. Der 29-Jährige ist gewissermaßen Experte auf dem Gebiet, denn im vergangenen Jahr haben er und seine Partnerin Tabea ihr erstes Kinderbuch herausgebracht. Der Titel des Erstlingswerks: „Wie das Kuscheln erfunden wurde.“ Darin durchleben Murmeltier und Waschbär, „zwei waschechte Freunde“, manch Abenteuer, bis der Winter einbricht und sie sich eine Höhle zurückziehen müssen. Dort knuddeln sie bald herzerwärmend. Andere Tiere machen es ihnen weltweit nach – und werden so zu Kuscheltieren.

„Freiheit bedeutet für mich, aus eigenem Antrieb heraus handeln zu können. Sagen zu können: Ich mache das jetzt einfach. Es ist sehr schwer, an diesen Punkt zu gelangen. Aber in Berlin ist es möglich.“ (Jeremias Wolf, Autor)

Auf zur „weltweit größten Umarmung“

Weil Kuscheln so schön ist und der Winter auch in Berlin recht ungemütlich, haben Tabea und Jeremias jetzt eine ganz besondere Aktion ins Leben gerufen. Am 17. Februar wollen sie den einen Kuschelrekord aufstellen. Mit der „weltweit größten Gruppenumarmung“, die im Kulturkaufhaus Dussmann in der Friedrichstraße stattfinden soll, möchten die beiden „ein Zeichen setzen für ein liebevolles Miteinander, mehr Vorlesen und Integration“. 50 Kinder aus 50 Nationen müssen mitmachen, damit der Weltrekord erreicht wird. „Das gibt das Guiness-Buch der Rekorde vor, das den Kuschelrekord unter der Rubrik ‚Multi-National Group-Hug’ listen wird“, erläutert Jeremias. Noch haben sich erst etwa 25 Kinder über www.kuschelrekord.de zur Teilnahme an der Aktion angemeldet, aber Tabea und Jeremias sind zuversichtlich, dass genügend kleine Rekordanwärter zusammenkommen werden. „Berlin ist sehr international und offen. Für uns ist die Stadt das ideale Umfeld, um unseren Kuschelrekord aufzustellen“, so Tabea.  

Berlin steht für Weltoffenheit, Kreativität und Freiheit

Die Chancen, den Rekord zu erreichen, stehen in der Tat gut: Menschen aus mehr als 190 Nationen leben aktuell in Berlin. Und von den rund 3,6 Millionen Bewohnerinnen und Bewohner der Metropole sind etwa 20 Prozent aus dem Ausland in die Hauptstadt gezogen. Das kommt nicht von ungefähr, denn nach einer Imagestudie, die das Meinungsforschungsinstitut infratest dimap 2017 im Auftrag von Berlin Partner durchführte, steht die Stadt inzwischen international für Weltoffenheit, eine hohe Lebensqualität, Kreativität und Freiheit. Berlin wird bei Menschen aus dem In- und Ausland als Lebens- und Arbeitsmittelpunkt immer beliebter. Insbesondere junge Erwachsene zwischen 18 und 30 Jahren zieht es hierher  – und immer mehr Kinder werden an der Spree geboren.  

Jeremias und Tabea sind Teil dieser jungen, kreativen, aber auch risikofreudigen Szene. Jeremias hatte sich vor seinem Neubeginn als Kinderbuchautor bereits als Start-up-Unternehmer einen Namen in der Stadt gemacht. Tabea arbeitete erfolgreich als strategische Planerin im Marketing. 2017 warfen die beiden ihr bisheriges Leben komplett über Bord, um als Kinderbuchautoren einen Neuanfang zu starten. „Die Idee dazu kam uns vor rund einem Jahr, als wir in einem Café saßen“, erinnert sich Tabea. „Dort fiel uns ein Bilderbuch in die Hände, das uns an unsere Kindheit erinnerte. Der Gedanke an ein eigenes Buch zog uns sofort in seinen Bann. Auf das Thema Kuscheln kamen wir intuitiv.“ 

„Gestaltungsspielraum zu haben, Neues zu entdecken und zu erkunden und immer wieder zu schauen, was die Welt einem zu bieten hat – das ist Freiheit.“(Tabea Wolf, Illustratorin)

„Berlin hat eine besondere Mentalität“

Kurzentschlossen legten die beiden los: Jeremias, der schon immer ein Faible für Poesie hatte, reimte die Texte. Tabea illustrierte das Kuschel-Abenteuer von Murmel und Waschbär. Bereits wenige Monate später erschien „Wie das Kuscheln erfunden wurde“ in dem kleinen Verlag, den die beiden zusammen mit einem Freund gegründet hatten. Schon nach kurzer Zeit war die erste Auflage vergriffen. Aktuell arbeiten Tabea und  Jeremias an ihrem nächsten Buch.  

„Bei unserem Neustart hat es uns sicherlich geholfen, dass wie beide aus dem unternehmerischen Bereich kommen. Aber man muss schon risikobereit und auch etwas verrückt sein, um eine solche Idee durchzuziehen“, sagt Jeremias und ergänzt: „Es ist auch nicht in jeder Stadt möglich. Berlin hat einfach eine besondere Mentalität. Hier gibt es ein kreatives Umfeld, in dem viele etwas wagen.“  Noch etwas anderes spricht seiner Erfahrung nach für Berlin: „Berlin toleriert – auch Fehler. Die Berlinerinnen und Berliner betrachten sich ja selbst oft mit einem gewissen Humor. Insofern nimmt es einem keiner übel, wenn etwas mal nicht gleich gelingt.“ 

Auf die Offenheit und Toleranz Berlins vertrauen Jeremias und Tabea auch bei ihrer Kuschelaktion. Sollte die für den Weltrekord erforderliche Zahl von 50 kleinen Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus 50 Nationen nicht erreicht werden, so findet sie trotzdem statt. Denn Kuscheln ist immer schön – und verbindet. Und was passiert nach der Aktion? Dann werden Tabea und Jeremias zu dem für sie kuscheligsten Ort in ganz Berlin fahren: „In unsere Wohnung in Kreuzberg.“

Anmeldung und weitere Infos unter www.kuschelrekord.de

Fotos und Illustrationen © Tabea & Jeremias

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