2. WG: "Kleine Heimat Berlin"

Am 15. Oktober 2019 fand die zweite Berlin-WG in Schöneberg statt. Gemeinsam mit Joab Nist (Notes of Berlin) und einer bunt-gemischten Gruppe von Berlinerinnen und Berlinern wurde analysiert und diskutiert, ob es eine "Berlin-Identität" gibt oder man nicht eher mit den Kiezen verbunden ist.

Wer waren die WG-Bewohner/innen am 15. Oktober?

  • Patrick, Unternehmer aus Spandau
  • Goekcen, Food Tour Guide/Entrepreneur aus Charlottenburg
  • Meike, Angestellte und Influencerin aus Kaulsdorf
  • Vanja, Leitende Angestellte aus Prenzlauer Berg
  • Ingrid, Floristin/Rentnerin aus Westend/Inhaberin eines Webshops für Kunstblumen
  • Sophie, Justiz-Beamtin aus Friedrichshain
  • Johanna, Studentin aus Mitte

Was wurde am WG-Tisch diskutiert?

Wann ist man Berliner?

Die zweite Berlin-WG ist der Frage auf den Grund gegangen, ob es die eine Berliner Identität gibt. Passend dazu kam zuallererst die Frage auf: Ab wann ist man eigentlich ein Berliner? Kann man den Begriff Berliner anhand einer Zeitspanne festmachen? Sind zwei oder 30 Jahre ausreichend? Oder ist es doch eher ein Gefühl, das entscheidend ist? Für Patrick (seit mehr als 30 Jahren wohnhaft in Berlin) ist man Berliner, wenn man die Hauptstadt als seine Heimat empfindet. Goekcen (vor zwei Jahren zugezogen) ist einer ähnlichen Auffassung – er fühlt sich wohl hier, also ist er ein Berliner. Der persönliche Lieblingsbäcker oder Blumenladen, zu dem man immer geht und bei dem man sich kennt, ist für Vanja ausschlaggebend. Für Ingrid (gebürtige Berlinerin) fängt das echte Berliner-Sein damit an, dass sich das typische Berlinerisch in die eigene Sprache einschleicht.

Was sagt die Community dazu?

Wir haben auch unsere Community via Social Media befragt und zahlreiche Antworten erhalten. Neben dem Versuch, die Frage anhand einer Zeitangabe zu beantworten, wurden auch folgende Anhaltspunkte aufgeführt: „Wenn man nicht mehr fragt, ob man Berliner ist“, „Wenn man keine Lust mehr auf die Sehenswürdigkeiten hat“ und „Berliner ist man im Herzen. Man fühlt es einfach.“

Welche Rolle spielt der Kiez für die Berliner Identität?

Neben der Stadt-Zugehörigkeit spielt auch die Kiez-Verbundenheit eine ausschlaggebende Rolle bei der Suche nach der Berliner Identität. Alle WG-Teilnehmer waren sich einig, dass der eigene Kiez ein Rückzugsort ist, an dem man sich wohlfühlt. Für Goekcen hat jeder Kiez Angebote für Familienmenschen und für Partygänger. Alles, was gebraucht wird, findet sich in der näheren Umgebung. Aus genau solchen Gründen sucht jeder sich seinen Kiez aus, ergänzte Patrick.

Auch Joab bleibt seinem Kiez treu und sagt über sich selbst, dass er „Kiez-faul“ ist und keinen Grund sieht, jemals woanders zu wohnen. Sophie wohnt seit 9 Jahren in Friedrichshain, weil sie die Vielseitigkeit und Abwechslung schätzt.

Gibt es eine gemeinsame Berliner Identität?

Kann man überhaupt von einer Berliner Identität sprechen und sich als Berliner fühlen, oder ist man eher „Neuköllner“, „Friedrichshainer“ oder „Charlottenburger“?

Für Patrick ist eine solche übergeordnete Identität gar nicht nötig. Das Individuelle ist genau das, was Berlin ausmacht. Auch Johanna findet, dass in Berlin jeder sein kann, was er will, sodass sich die Frage nach einer übergeordneten Identität gar nicht stellt. Für Ingrid muss die Außen- und Innensicht unterschieden werden: Von außen ist sie immer Berlinerin, von innen identifiziert sie sich mit ihrem Kiez.

Um es in Meikes Worten abzuschließen: „Berlin hat alles außer Berge!“

Wir danken allen Teilnehmern für den regen und inspirierenden Austausch. 

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