„Superfreund, Superhandball, supergeil“

Thomas Otto ist Teambetreuer der Füchse Berlin. Doch die Handballer-Szene kennt ihn vor allem unter dem Spitznamen „Generale“. Als „Mutter der Kompanie“ hat der ehemalige Berufssoldat bei den Füchsen alle Hände voll zu tun – von der Reiseplanung bis hin zum Waschen der Trikots. Der 61-Jährige macht seinen Job so gut, dass der ehemalige Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson ihm sogar einen Video-Spot widmete – frei nach Friedrich Liechtensteins Kult-Video„Supergeil“. Selbst Neckereien der Spieler erträgt der Generale mit Fassung. Denn neben Organisations-Talent zeichnen ihn vor allem zwei Dinge aus: ein dickes Fell – und Humor.

Herr Otto, seit 2013 sind Sie Teambetreuer der Füchse Berlin. Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Spiel?
Na klar! Ich habe am 6. Februar 2013 bei den Füchsen Berlin angefangen. Und am 10. Februar haben wir im Champions League-Spiel gegen den FC Barcelona in der O2-World gewonnen. Das war gleich ein echtes Highlight.


Wie viele Spiele haben Sie denn bisher aktiv begleitet? Man munkelt, Sie führen akribisch Buch?
Stimmt. Seit dem 6. Februar 2013 habe ich insgesamt 327 Pflichtspiele notiert, bei denen ich die Füchse als Teambetreuer begleitet habe: Bundesliga-, Europapokal-, Pokal- und andere wichtige Spiele wie die Vereinsweltmeisterschaft in Doha. Meine persönliche Statistik listet 455:199 Punkte.


Unter Ihrem echten Namen kennt Sie in der Handballwelt kaum noch jemand. Alle nennen Sie „Generale“. Wie kam es dazu?
Bevor ich bei den Füchsen anfing, war ich Offizier bei der Bundeswehr. Als ich mich 2013 bei der Mannschaft vorgestellt habe, erschien ich noch in Uniform. Die Spieler fragten mich, was für einen Dienstgrad ich hätte. Ich antwortete „Hauptmann“. Die Spieler übersetzten das für Iker Romero mit „Capitano“. Und der sagte: „Das geht nicht. Capitano bin ich.“ So wurde ich der „Generale“. Und dabei ist es bis heute geblieben. Neulich, bei einem Auswärtsspiel in Kiel, kam der Trainer auf mich zu, nahm mich in den Arm und sagt: „Grüß dich, Generale“. Ich glaube, viele wissen gar nicht mehr, wie ich wirklich heiße.  

 

 

Von der Bundeswehr zum Füchse-Teambetreuer? Wie ging denn das?
Ich arbeitete damals im Karriere-Center der Bundeswehr in Berlin im Bereich Marketing. Dabei habe ich auch mit den sechs großen Berliner Vereinen zu tun gehabt und war daher auch mit dem Füchse-Manager Bob Hanning in Kontakt. Er wusste auch, dass ich mal Handball gespielt habe. 2013 ging ich mit 55 Jahren in den Ruhestand. Als Hanning davon hörte, fragte er mich, ob ich mir vorstellen könne, Teambetreuer der Füchse zu werden. Nach ungefähr einer Sekunde Bedenkzeit habe ich „ja“ gesagt. Kurz darauf hat er mich dem damaligen Füchse-Trainier Dagur Sigurdsson vorgestellt. Wir haben uns auf Anhieb verstanden.


Inzwischen sind Sie fast eine Handball-Kultfigur: Dagur Sigurdsson, hat Ihnen 2014 sogar einVideo gewidmet – das er in Anlehnung an den „Supergeil“-Clip mit Friedrich Liechtenstein produziert hat. Eine Zeile des Songs lautet: „Superfamous, Superfreund, Superhandball, supergeil“.
Ich fand das toll. Dass Dagur überhaupt auf die Idee kam! Er ist begeisterter Hobby-Musiker. Es bestätigt ja auch, dass er irgendwie einen Narren an mir gefressen hat. Als Bundestrainer hat er mich später öfter von den Füchsen „ausgeliehen“. Zuletzt habe ich auf seine Bitte die japanische Nationalmannschaft während der WM im Januar betreut.


Wie war das? Anders als mit den Füchsen
Ich sag mal so: In einer deutschen Profimannschaft wie den Füchsen sind die Charaktere schon sehr unterschiedlich – und es setzt schon mal flapsige Sprüche, die nie bös gemeint sind. Die japanische Mannschaft war dagegen durchweg sehr diszipliniert. Als einer der Spieler Geburtstag hatte, habe ich eine Torte anfertigen lassen. Davon waren alle hellauf begeistert. Wir sind bei der WM schließlich Letzte geworden. Da konnte ich mir bei den Füchsen später natürlich Späße anhören à la: „Na, wer war denn da der Teambetreuer?“ 

Was sind Ihre Aufgaben als Teambetreuer der Füchse Berlin?
Ich bin gewissermaßen die „Mutter der Kompanie“. Ich kümmere mich im alles rund um das Training und Spielgeschehen. Ich organisiere die Busse, treffe Absprachen mit den Hotels, sorge für die Verpflegung, erstelle Ablaufpläne und frage Co-Trainer an. Außerdem kümmere ich mich um die Wäsche. Wenn die Reinigung es nicht schafft, wasche ich die Trikots, Handtücher und Hosen der Spieler zu Hause selbst. Da läuft die Waschmaschine dann schon mal sechs Mal hintereinander. Handballer spielen ja mit Harzkleber an den Händen, das backt natürlich an den Hosen und muss entfernt werden. Teambetreuer ist schon ein Fulltime-Job. Ich habe jeden Tag mit den Füchsen zu tun. Während der Saison habe ich praktisch kein freies Wochenende, nicht mal zu Weihnachten. Aber der Job macht mir nach wie vor viel Spaß. Und meine Frau ist sehr verständnisvoll.


Welche Eigenschaften muss man als Teambetreuer einer Handball-Profimannschaft mitbringen?
Vor allem Organisationstalent, Geduld und eine dicke Haut. Ich bin ein Mensch, der immer alles hundertprozentig erledigen will. Und bin daher schnell auf 180, wenn irgendwas mal nicht so klappt. Aber der Job gibt einem auch viel zurück: Von Silvio Heinevetter bis hin zum Jungspieler – ich glaube, die Jungs mögen mich alle.


Gab es auch ungewöhnliche Vorfälle während der Spiele?
Die gibt es immer mal wieder. 2013 in Madrid etwa ging ich als Letzter aus der Spielerkabine und habe dabei den Schlüssel abgebrochen. Bis zur Halbzeit musste ich wieder in die Kabine rein. Da standen mir natürlich trotz Klimaanlage die Schweißperlen auf der Stirn. Mithilfe des Haumeisters habe ich es dann geschafft, die Kabine rechtzeitig zu öffnen. 2014 bei DHB-Pokalfinale haben wir zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte den Titel gewonnen. Heinevetter und Igropulo haben mir anschließend bei der Feier in der Monkey Bar den Bart abrasiert. Seitdem habe ich ihn nicht mehr. Und bei einem Spiel der Nationalmannschaft hatte das Schiedsgericht eine falsche Spieler-Nummer in den Bogen eingetragen. Der Spieler durfte nicht auf das Feld. Doch in meiner Tasche habe ich immer alles dabei: Trikots, Kabelbinder, Klebeband ... Ich habe einfach eine andere Nummer auf das Trikot geklebt. Und das Spiel konnte stattfinden.

Spielen Sie selbst heute noch Handball?
Nein, heute nicht mehr. Klar habe ich ab und an noch mal einen Ball in der Hand. Aber meine Hobbys sind heute neben den Füchsen Berlin mein Wohnmobil und das Nordic Walking. Ich gehe unheimlich gern um den Müggelsee, wo ich wohne. Das ist zugleich mein Lieblingsort in Berlin. Dort ist es sehr erholsam – und man ist trotzdem in der Stadt. Ich komme ja ursprünglich aus Hessen und bin eigentlich ein Dorfkind.


10 Jahre Sportmetropole Berlin – was macht für Sie die Sportstadt Berlin aus?
In Berlin soll es etwa 200 Bundesliga-Mannschaften geben – vom Schach bis hin zum Profi-Fußball. Allein sechs Spitzenvereine in einer Stadt zu haben, ist schon etwas ganz Besonderes. Das allein zeigt doch, dass in Berlin viel Wert auf den Sport gelegt wird. Es gibt doch auch nichts Schöneres, als die Jugend zum Sport zu bringen. Vor allem in Mannschaftssportarten wie dem Handball erlangt man wichtige Eigenschaften wie Teamgeist und Disziplin. Das ist für das spätere Leben sehr wichtig.


Inzwischen sind Sie bereits sechs  Jahre bei den Füchsen Berlin. Planen Sie, irgendwann Ihren Abschied zu nehmen?
Mein Vertrag läuft noch bis 2020. Und ich bin jetzt 61. Ich werde den Job sicherlich nicht bis zu meinem Lebensende machen. Ab dem nächstem Jahr möchte ich mit meiner Frau im Wohnmobil unterwegs sein. Zusammen mit so vielen jungen Menschen zu arbeiten, hält mich allerdings fit. Nicht jeder wird Team-Betreuer einer Spitzenmannschaft. Das macht sehr viel Spaß. Und schauen wir mal, wie die Füchse weiter abschneiden. Wenn dann vielleicht die Champions League ansteht, hänge ich eventuell doch noch ein Jahr dran. (vdo)

 

Fotos
Aufmacher, Foto Autogramme: © Füchse Berlin
Restliche Fotos: © Thomas Otto
Video: © Füchse Berlin

 

 

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