Vielfältig engagiert für Berlin

Rund 40 Prozent der Berlinerinnen und Berliner engagieren sich ehrenamtlich. Sie machen Berlin zu einer Stadt, in der Menschen füreinander einstehen und füreinander sorgen. Am 7. März würdigt der Berliner Senat freiwillig engagierte Bürgerinnen und Bürger mit dem Aktionstag „Berlin sagt Danke!“ Auch die nächste Berlin WG am 27. Februar beschäftigt sich mit dem Thema „Gemeinwohl als Vison“. Wie vielfältig das Spektrum der gemeinnützigen Initiativen ist, zeigt unsere kleine Projektauswahl.

 

„In Berlin gibt es viele Menschen, die sich für das Gemeinwohl einsetzen. Im Vergleich zu anderen Städten ist Berlin politisch und sozial sehr sensibel“, sagt Ina Peppersack Vorstandsvorsitzende von Über den Tellerrand e.V. „Das große Spektrum gemeinnütziger Angebote stärkt das Zusammenleben in der Stadt. Trotzdem kann jeder für sich hier sein Leben frei gestalten. Das finde ich sehr angenehm an Berlin.“

Gemeinsam kochen verbindet

Über den Tellerrand ist ein solches Angebot. 2013 wurde die gemeinnützige Initiative gegründet. „Damals hielten sich am Oranienplatz in Kreuzberg viele Menschen mit Fluchterfahrung auf, die den Platz besetzten, um für ihre Rechte zu demonstrieren. Die Initiatoren von Über den Tellerrand sind dort hingegangen, um die Menschen kennenzulernen und einen Dialog aufzubauen. Sie haben mit ihnen gemeinsam gekocht und geredet. Dabei sammelten sie viele Geschichten und Rezepte. So entstand unser erstes Kochbuch“, so Ina Peppersack. Aus dem Kochbuch wurde schnell mehr: Kochkurse, Workshops,  ein „Kitchen-Container“, der bundesweit auf Tour ging und ein Netzwerk, das inzwischen „Satelliten“ in bundesweit 36 Städten umfasst. Die alles verbindende Grundidee: Menschen mit unterschiedlicher Herkunft treffen sich in ungezwungener Atmosphäre. Sie lernen voneinander und schließen Freundschaften."

 

Junge Menschen unterschiedlicher Herkunft kochen gemeinsam

Die sechste Berliner Berlin-WG: zu Gast im Schöneberger Kitchen-Hub

Diese offene und gemütlichen Atmosphäre prädestiniert den Kitchen Hub geradezu als Veranstaltungsort für die sechste Berlin WG. Diese wird hier am 27. Februar 2020 von 17:30 bis ca. 19:30 Uhr bei Über den Tellerrand zu Gast sein. Denn 2020 geht die beliebte Talk-Runde, die weiterhin von Notes-of-Berlin-Gründer Joab Nist moderiert wird, auf Exkursion. Das aktuelle Thema: „Gemeinwohl als Vision. Wird die Stadt der Individualität zur Stadt des Zusammenhalts?“ Wie in den vorangegangenen Talks werden auch in dieser Runde zehn Berlinerinnen und Berliner sitzen und angeregt diskutieren. Und auch dieses Mal können sich Interessierte online bewerben,  um live in der Runde dabei zu sein.

Berlin sagt Danke!

Wer keinen Platz in der Berlin WG ergattert, kann sich am 7. März an vielen Orten in der Stadt vom großen Einsatz unzähliger Berlinerinnen und Berliner für das Gemeinwohl überzeugen. Denn am inzwischen fünften Aktionstag „Berlin sagt Danke!“ öffnen unter anderem zahlreiche Kultur- und Freizeiteinrichtungen ihre Türen für die vielen Menschen, die sich das ganze Jahr hindurch ehrenamtlich in der Stadt engagieren – das sind inzwischen fast 40 Prozent der Bevölkerung. 2019 beteiligten sich rund 135 Institutionen an dem Event, das vom Berliner Senat, dem Abgeordnetenhaus von Berlin sowie zahlreichen Partnern ins Leben gerufen wurde. Darunter Theater und Opern, der Berliner Zoo und Tierpark, Museen, die Philharmonie, Schwimmbäder, das Rote Rathaus und das Abgeordnetenhaus. Denn die vielen ehrenamtlich engagierten Berlinerinnen und Berliner tragen entscheidend zum Zusammenhalt in der Stadt bei. Das betont auch der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller: „Sie machen Berlin zu einer Stadt, in der Menschen aus aller Welt willkommen sind. Einer Stadt, in der Menschen füreinander einstehen und füreinander sorgen.“ (vdo)
 

Über den Tellerrand ©Laura Fioro

Bunt zusammengestellt: 10 gemeinnützige Berliner Initiativen

  1. Give Something Back to Berlin
    An die mehrfach ausgezeichnete Plattform knüpft sich inzwischen ein dynamisches Netzwerk. Give Something Back to Berlin bringt „privilegierte“ Migranten, Geflüchtete und andere Berlinerinnen und Berliner über Projekte zusammen. Im kreativen interkulturellen Austausch geben die Neuankömmlinge ihrer neuen Heimatstadt viel zurück.
     
  2. Junge Helden
    In Deutschland warten aktuell etwa 10.000 Menschen auf Spenderorgane. Ziel dieser gemeinnützigen Initiative ist es, Jugendliche und junge Erwachsene über Organspende aufzuklären und sie zu einer Entscheidung zu motivieren. Ein Spender-Ausweis kann über die Seite online direkt angefragt werden. Gegründet wurde die Initiative von der inzwischen verstorbenen Berlinerin Claudia Kotter.  
     
  3. Berliner Kältehilfe 
    In der kalten Jahreszeit droht vielen Obdachlosen der Kältetod. Die Berliner Kältehilfe bündelt und unterstützt zahlreiche Angebot, die Menschen ohne Wohnung vor Kälte und Leid im Winter bewahren können. So fahren etwa von Anfang November bis Ende März der Wärmebus des Deutschen Roten Kreuzes und der Kältebus der Berliner Stadtmission durch die Stadt.
     
  4. BENN Mitte
    „Berlin Entwickelt Neue Nachbarschaften“ bringt Geflüchtete mit ihren Nachbarn zusammen und will so an insgesamt 20 Berliner Standorten rund um große Flüchtlingsunterkünfte das Zusammenleben stärken. In Berlin-Mitte wird das Programm der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen von der Berliner Stadtmission umgesetzt.
     
  5. Berliner Tafel
    Bereits seit 1993 beliefern die Berliner Tafel Obdachlosenheime und andere soziale Einrichtungen mit gespendeten Lebensmitteln. Inzwischen fahren die Transporter rund 300 Berliner Einrichtungen an. Pro Monat werden ca. 660 Tonnen Lebensmittel verteilt.
     
  6. Berliner Tiertafel
    Auch Vierbeiner haben Hunger: Die Berliner Tiertafel sammelt Futter und Zubehör. Sie verteilt es an Menschen, die ihre Tiere nicht mehr aus eigenen Mitteln ausreichend versorgen können. So können Mensch und Tier auch in schlechten Zeiten zusammenbleiben.  
     
  7. House of Queer Sisters
    Die fantasievoll geschminkten und gekleideten Schwestern des House of Queer Sisters sind auf vielen Berliner Veranstaltungen ein beliebtes Fotomotiv. Das Selbstverständnis der 2013 gegründeten Initiative ist jedoch sozialpolitisch: Sie unterstützt Menschen mit HIV/AIDS, leistet Aufklärungsarbeit und ist u.a. in der Behinderten- und Flüchtlingshilfe aktiv.
     
  8. Die Superarmen
    „Wir sind finanziell arm, aber sozial super.“ In dem gemeinnützigen Verein haben sich Neuköllner zusammen gefunden, die wenig haben, aber dennoch viel geben. So begleiten sie etwa Hilfsbedürftige bei Behördengängen, führen kleinere Reparaturen durch oder versorgen Haustiere von Kranken.
     
  9. Silbernetz
    Unter Einsamkeit leiden vor allem viele ältere Menschen. Silbernetz hilft Berlinerinnen und Berliner über ein kostenloses Hilfetelefon aus der Isolation herauszufinden. Schrittweise werden sie wieder mit ihrem Umfeld vernetzt.    
     
  10. Schwimmclub 1001
    Geflüchtete werden zu Rettungsschwimmern ausgebildet und geben ehrenamtlich Schwimmunterricht: Das Projekt „Schwimmclub 1001“ wurde 2016 von einer Schwimmerin im Märkischen Viertel ins Leben gerufen. Die Initative zählt zu den Finalisten des #FARBENBEKENNEN-Awards 2018. Ebenso wie das integrative Fußball-Projekt „Champions ohne Grenzen“.

 

Header-Foto: Über den Tellerrand © Ute Peppersack